Interview mit Philipp Herzog

Das Interview führte Gerald Brandstätter, Chefredakteur MODULOR / Boll Verlag AG Stationsstrasse 49 / P.O. Box 129 CH-8902 Urdorf. Das Interview erschien in MODULØR #3, 2009 Seite 111

Herr Herzog, was sind die Vorzüge eines fugenlosen Belages?

Entwickelt wurden diese Beläge für industrielle Nutzung. Sie erfüllen deshalb vor allem Ansprüche an hohe Belastbarkeit, einfachen Unterhalt und Dauerhaftigkeit. Im industriellen Bereich sind nach wie vor technische Vorteile wie hohe Belastbarkeit, chemische Beständigkeit, Verschleissfestigkeit, elektrostatische Ableitfähigkeit usw. gefragt.
Seit vielen Jahren verlegen wir jedoch auch fugenlose Bodenbeläge in ästhetisch anspruchsvollen Bereichen wie Verwaltungsbauten, öffentlichen Gebäuden, Privatwohnbauten etc. Dort werden fugenlose Beläge sodann auch wegen ihrer farblichen Vielfalt, ihres Gehkomforts und ihrer Pflegeleichtigkeit geschätzt.

Sie haben in Ihrem Sortiment verschiedenste Beläge: Wie unterscheiden sich diese, und für welche Anwendungen eignen sie sich besonders?

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Bodenbelägen für den Industriebereich und den Dekorbereich. In der Industrie kommen sowohl harte Belagssysteme, basierend auf Epoxidharz, als auch elastische Bodenbeläge basierend auf Polyurethanharz, zum Einsatz. Daneben erfreuen sich auch unsere wärmeschützenden Hartsteinholzbeläge DURALIT® nach wie vor grosser Beliebtheit. Unser Angebotsspektrum ist sehr breit, so können wir für fast jeden Verwendungszweck einen spezifisch geeigneten Belagsaufbau anbieten. Zudem bieten wir mit unseren gegossenen Polyurethansystemen komfortable und schallreduzierende Beläge. Die homogene, fugenlos gegossene Optik lässt Räume grosszügig und weit erscheinen, der farblichen Gestaltung sind kaum Grenzen gesetzt. In Wohnräumen können weichelastische Ausführungen eingesetzt werden, welche auch barfuss sehr angenehm zu begehen sind. In Räumen mit hohem Publikumsverkehr hingegen werden härtere Ausführungen eingesetzt, welche einerseits hoch belastbar sind, aber angenehm zu begehen sind und Laufgeräusche mindern.

Wie ist die Vorgehensweise beim Einbau beispielsweise eines Texolit-Kunstharz-Bodenbelages?

Alle unsere Bodenbeläge werden an Ort nass eingebaut, entweder gegossen oder gespachtelt. Grundvoraussetzung ist immer eine tragfähige Unterkonstruktion, welche den Aufbau eines vollflächig verbundenen Belags erlaubt. Dazu muss die Oberfläche plan und sauber sein, und sie muss die nötige Festigkeit gewährleisten. Nach der Vorbereitung des Untergrunds werden allfällige Schäden wie Risse oder Hohlstellen saniert oder so verstärkt, dass sie nicht zu Problemen im Fertigbelag führen können. Anschliessend wird der jeweilige Belag in mehreren aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten verlegt.

Wie sieht es mit den Kosten aus im Vergleich zu herkömmlichen Bodenbelägen?

Durch den mehrschichtigen Aufbau, der in der Regel eine minimale Einbauzeit von einer Woche bedingt, sind die Kosten stark von der Objektgrösse abhängig. Daneben unterscheiden sich auch die verschiedenen Beläge stark im Ausführungsaufwand und damit im Preis.
Dekorbeläge sind preislich mit hochwertigem Parkett oder hochwertigen Plattenbelägen vergleichbar. In Grossobjekten, welche ein entsprechend effizientes Arbeiten zulassen, lassen sich die Kosten von Polyurethanbelägen mit jenen von hochwertigen geklebten Bodenbelägen vergleichen. Hinsichtlich Lebensdauer und Nachhaltigkeit der Investition sind unsere fugenlosen Bodenbeläge gegenüber geklebten Belägen immer im Vorteil. Die teilweise erhöhten Anschaffungskosten werden durch die längere Lebensdauer unserer Böden mehr als wettgemacht. Zudem lassen sich unsere Bodenbeläge oberflächlich auffrischen und regenerieren, oder aber sie dienen am Ende ihrer Lebensdauer als hochwertige Ausgleichsschicht für einen neuen Belag, womit ein teurer und aufwendiger Ausbruch entfällt.

Können Sie einen Trend hinsichtlich Belagstyp oder Farbe ausmachen?

Wir spüren einen starken Trend zur Verwendung fugenloser Beläge in ästhetisch anspruchsvollen Bereichen, seien dies nun Wohn- oder Administrativbauten. Überall dort, wo sich ein Objekt in gestalterischer Hinsicht vom Mainstream abheben soll, werden fugenlose Beläge früher oder später zum Thema. Leider werden immer wieder falsche Materialisierungen gewählt, die dann zwar vordergründig gut aussehen, sich aber in punkto Fleckempfindlichkeit oder Reinigungsaufwand als völlig ungeeignet erweisen. Auch werden immer wieder Aufträge für fugenlose Dekorobjekte an Unternehmer vergeben, welche zwar Industrieböden ausführen, aber den hohen Ansprüchen in der Verlegung von dekorativen Belägen nicht gewachsen sind. Hier sind vor allem die Planer gefragt. Es ist ihre Aufgabe, sich die Vor- und Nachteile einer Materialisierung ganzheitlich zu überlegen und nicht nur auf das optische Erscheinungsbild und die Kosten abzustimmen.